Pflege bei Demenz

Die Bedeutung des Wortes „Spezialkonzept“ definiert die Pflegedienstleisterin Antonina Siracusa wie folgt:  Das „Spezialkonzept“ beschreibt die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz und herausforderndem Verhalten.

Alle Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren im Umgang mit Menschen mit Demenz und herausforderndem Verhalten gemacht haben, sind in diesem Konzept vereinigt. Prägend war der Lernprozess im Modellprojekt „Optimierung der stationären Versorgung von Menschen mit Demenz“.

Wir haben die Erkenntnis gewonnen, dass wir viel erreichen können, wenn wir mit unserer humanistischen Grundhaltung den Menschen begegnen, dabei neugierig bleiben und uns Zeit dazu nehmen können. Die „Rahmenempfehlungen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz in der stationären Altenpflege“ sind seit ihrer Erscheinung wichtige Hilfestellung bei der Erstellung des Konzepts und bleiben es auch im Alltag. (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)

Menschen mit einer Demenz entwickeln oft ein herausforderndes Verhalten. Sie können ihre Emotionen, Bedürfnisse und Wünsche nicht mehr verbal äußern. Die Erkrankung ist oft so schwerwiegend, dass sie trotz aller Bemühungen eine innere Unruhe und Unzufriedenheit entwickeln und dadurch kaum zur Ruhe kommen.

Sie äußern ihre Unausgeglichenheit möglicherweise durch Schreien, Spucken, Treten, Beißen, oder sie leben, z.B. bei Morbus Pick oder frontotemporale Demenz, ihre Sexualität oder ihre Stimmungsschwankungen ungefiltert aus und es kommt zu Beschimpfungen und tätlichen Angriffen auf Pflegende.

Unsere qualifizierten Mitarbeiter wissen, wie sie diese Menschen in den verschiedenen Stadien ihrer Erkrankung gezielt unterstützen und begleiten können. Es sind diese kleine Momente des „sich Spürens“, die den Betroffenen eine hohe Lebensqualität trotz Demenz ermöglichen.

Wir verstehen Pflege und Betreuung immer als Gestaltung eines gelingenden Alltags, ohne Zwang. Daher leben die Menschen bei uns freiwillig und ausschließlich in offenen Wohnbereichen unter Berücksichtigung ihrer Privatsphäre. Der Respekt vor der Persönlichkeit mündet in die Pflege der Altersseele, denn die Begleitung von demenzkranken Menschen kann nur unter einer ganzheitlichen Perspektive Erfolg haben.

Eine adäquate Pflege und Betreuung führt dazu, dass gerontopsychiatrisch veränderte Menschen in „ihrer Welt“ zufrieden leben können.

Die Orientierung an ihrer Lebensgeschichte, Körpernähe und Wertschätzung zusammen mit einer zulassenden Grundhaltung gegenüber Fehlverhalten und Defiziten unterstützen Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen. So können sie sich selbst als Person erfahren und Person bleiben.

Keine Mühe ist uns zu groß und kein Bemühen eine Last, um sie diese verloren geglaubte „Normalität“ spüren zu lassen. Mit einer wertschätzenden Haltung, fachlichen fundiertem Hintergrundwissen, Humor, viel Menschlichkeit und einer strukturierten Tagessgestaltung können unsere Pflegende und Betreuer dem in der Demenz versunkenen Menschen ein Stück „heile Welt“ und Zufriedenheit schenken.

Unser qualifiziertes Team kennt die Möglichkeiten und Grenzen von Medikamenten und ist über deren Wirkung sowie über verschiedene Therapieverfahren bestens informiert.

Menschen mit einer Demenz brauchen eine veränderte Kommunikationsart. Die Gestaltung von Beziehungen spielt eine große Rolle im Alltag. Wertschätzung, Echtheit, Akzeptanz vermitteln Sicherheit und Verständnis. Demenzerkrankte leben in ihrer eigenen Realität, diese erforschen wir und gehen einfühlsam darauf ein. Das Wohlbefinden der Bewohner hängt von der Haltung, der Beziehungsfähigkeit sowie der Kommunikationsfähigkeit der betreuenden Mitarbeiter ab und hat bei uns immer oberste Priorität

In unserer Einrichtung legen wir großen Wert auf Privatsphäre, Individualität und Selbstbestimmung der Bewohner. Ebenso sind uns die Fachkompetenz unserer Mitarbeiter, Hygiene und Sicherheit sehr wichtig.

Ein wichtiger Schwerpunkt der Betreuung dementiell veränderter Menschen ist die Berücksichtigung ihrer Biographie. Aus der Beschäftigung mit dem gelebten Leben unserer Bewohner ist es uns möglich, wichtige Informationen zur Gestaltung für den Alltag des Betroffenen herzuleiten.

Ganz wichtig ist, die Biographie zu kennen, sowie die Vorlieben und Abneigungen gerontopsychiatrisch veränderter Menschen zu erfahren. Die Biografiearbeit ermöglicht unseren Pflegemitarbeitern, sich auf den Menschen, den sie betreuen, einzustellen und einzustimmen. Hierbei gilt es, Informationen über die Angehörigen, Lebenspartner, Verwandte und Freunde oder den Betroffenen selbst – sofern dieser in der Lage dazu ist – zu sammeln. Jeder Mensch ist anders, hat einen eigenen Charakter, eine ausgeprägte Persönlichkeit, die es durch die gezielte Betreuung zu erhalten oder wiederherzustellen gilt. Der Mensch bleibt in seiner Einzigartigkeit etwas Besonderes bis an sein Lebensende, ob mit oder ohne gerontopsychiatrischer Veränderung.

Tätigkeiten aus dem früheren Alltagsleben, wie zum Beispiel Wäschelegen, werden unter Begleitung unserer Mitarbeiter wieder aufgenommen. Damit können die Bewohner ihre innere Unruhe, die aus dem “Nichtstun” heraus entsteht, besänftigen.

Die Angehörigen sind für unsere Mitarbeiter wichtige Partner einer gelingenden Betreuung. Ihre Erfahrungen und ihr Expertenwissen nehmen wir gerne an.

Die Grundlage für eine gelingende Betreuung der an Demenz erkrankten Bewohner ist einerseits die besondere Qualifizierung der Mitarbeiter und andererseits die Anpassung der wohnlichen Gestaltung an die Bedürfnisse der Bewohner.

Mittelpunkt der auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausgerichteten Wohnbereiche sind die Tagesräume, in der unser Demenzkonzept baulich umgesetzt wird. So ist die „Gute Stube“ des Wohnbereichs 3 ein strukturierter Gemeinschaftsbereich, in den Wohn- und Ruhezonen ebenso integriert sind, wie die Gemeinschaftsküche und das Dienstzimmer der Pflegemitarbeiter.

Die Wohnbereiche sind mit Möbeln und Gegenständen in Farben und Formen so ausgestaltet, wie es die Bewohner aus ihrer Kindheit und Jugend kennen. Hierdurch wird das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gestärkt. Auch die anderen Wohnbereiche und das eigene Wohnumfeld sind weiterhin mit spezifischen Orientierungshilfen versehen.

Unser Pflegekonzept sieht eine fast durchgehende Anwesenheit von Mitarbeitern in den Tagesräumen vor. Durch das freundliche Entgegenkommen unserer Mitarbeiter fühlen sich die Bewohner angenommen; sie halten sich gerne in der Gemeinschaft auf. Hier ist “immer etwas los” und der Alltag – im positiven Sinn – kann seinen Lauf nehmen.

In unserem Wohn- und Pflegeheim leben dementiell veränderte Menschen, die körperlich mobil sind, in homogenen Wohngruppen mit angepassten Betreuungsformen. Das Zusammenleben mit einer überschaubaren Anzahl von Bewohnern, unter denen eine persönliche und familiäre Atmosphäre entsteht, trägt wesentlich zu einem Gefühl der Annahme und Sicherheit bei.

Dafür wurde im Wohn- und Pflegeheim Kessler-Handorn ein Wohnbereich speziell zur Betreuung von dementiell erkrankten Bewohnern eingerichtet.

Der demenzkranke Bewohner kann sich frei im gesamten Haus oder Garten bewegen und wird nach Möglichkeit von einem Mitarbeiter begleitet.

Anfänglich vorhandene Hin- und Weglauftendenzen nehmen dadurch im Lauf der Zeit ab oder verschwinden ganz. Stattdessen breiten sich Entspannung und Zuversicht aus.

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